21. September 2013

Up against it

DVD | »Prick Up Your Ears« von Stephen Frears (1987)

»Writing is one tenth inspiration, nine tenths ...« – »… masturbation!« Stephen Frears’ filmischer Entwicklungsroman über den schwulen britischen Star-Dramatiker Joe Orton, der nach zwei spektakulären West-End-Erfolgen 1967 von seinem longtime companion Kenneth Halliwell erschlagen wurde, entwirft, neben bestechenden Psychogrammen der Protagonisten, ein farbiges Bild der Londoner (Sub-)Kulturszene der 1950er und -60er Jahre. Das Drehbuch, das Alan Bennett nach einer Vorlage von John Lahr verfaßte, ist ein Paradebeispiel für die gelungene Verbindung von erzählerischer Ökonomie und Freude am illustrativen Detail, wobei insbesondere die dramaturgische Parallelführung von Recherche-Ebene (Wallace Shawn als forschender Biograph) und stückweise zusammengesetzter Lebensgeschichte überzeugt. Die Darsteller sind allesamt erstklassig: Gary Oldman brilliert als proletarischer It-Boy der Swinging Sixties (»I want everyone to know I was the best developed playwright of my generation.«); Alfred Molina liefert das eindrückliche Portrait eines leidlich talentierten Menschen, der vom flimmernden Genie seines Partners erst in den Frust, dann in den Wahnsinn getrieben wird, um schließlich geradezu zwangsläufig zur Mordwaffe zu greifen (»The whole point about irrational behavior is that it IS irrational!«); Vanessa Redgrave, selbst eine Legende der kulturell und körperlich bewegten Epoche, gibt Ortons betriebsame Agentin (»Prison gives a writer credentials.«) – und alleine für die Szene, in der sie beiläufig-britisch von Joes, gelinde gesagt: abwechslungsreichem, Sexleben berichtet, während sie sich gierig ein Stück Melone in den Mund schiebt, gehört ihr der trotzkistische Arsch geküßt. »Prick Up Your Ears« ist die angemessene Würdigung eines Autors, der mit seinen Sozialfarcen der Gesellschaft seiner Zeit entlarvend-amüsante Zerrspiegelbilder vorhielt, und, trotz des hammerharten Endes, eine Kinofreude in jeglicher Hinsicht: komisch, traurig, ironisch, dramatisch, biestig – kurz: lebendig.

Kommentare:

  1. Ja, ein sehr schöner Film. Ich musste vor ein paar Wochen wieder an ihn denken, als ich den recht ähnlichen LOVE IS THE DEVIL (über Francis Bacon und seinen Sidekick George Dyer) sah.

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    1. Den Film über Bacon kenne ich nicht, aber der Trailer sieht sehr interessant aus. Starke Besetzung.

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