Aktuelle Filme im zweiten Halbjahr
Juli
Yesterday von Danny Boyle (2019) : Die hübsche Prämisse ihrer kontrafaktischen Erzählung – einzig ein (ziemlich erfolgloser) Musiker erinnert sich nach einem rätselhaften globalen Zwischenfall an die Songs der Beatles – nutzen Regisseur Boyle und Autor Curtis nicht zur Kreation einer popkulturellen Anderswelt sondern lediglich als Grundlage einer soliden romcom mit kontinuierlich ansteigendem Schnulzpegel (»All You Need is Love« as usual). Weder ›tangerine trees‹ noch ›marmalade skies‹ – aber mit einer überzeugenden Besetzung und launigen Seitenhieben auf Funktionsweisen der Unterhaltungsindustrie schlägt sich »Yesterday« redlich ins (leicht modifizierte) Hier und Jetzt durch.
Kursk von Thomas Vinterberg (2018) : Ein Drama ohne Rettung: wie im historischen Fall, so geht auch in Vinterbergs durchaus bewegender Adaption die Besatzung des Atom-U-Bootes Kursk ihrem von den Weltläuften gesponnenen Schicksal entgegen. Die Rolle, die im richtigen Leben Wladimir Putin spielte, übernimmt im Film der greise Max von Sydow – sein fiktiver Admiral erscheint wie die Wiederkehr des russischen Erzschurken vergangener Kinozeiten als unsagbar trauriges Gespenst.
Dolor y gloria von Pedro Almodóvar (2019) : Nach »La ley del deseo« und »La mala educación« erzählt Almodovar zum dritten Mal mit autobiographischem Unterton von Glanz und Elend der filmemacherischen Kreativität. War das erste Stück der losen Reihe noch von wilder Leidenschaft erfüllt, ertrank das Folgewerk in nostalgisch-selbstreferentieller Melancholie, zeichnet der gereifte Meister nun (in gewohnt erlesenen Farben) das versteinert-redselige, kokett-selbstmitleidige Bildnis des Künstler als (schöner) alter (kranker) Mann.
August
La chute de l’empire américain von Denys Arcand (2018) : »Komödie ums Geld« heißt ein Film von Ophüls, und auch Arcands herzensgut-blutiger Traktat über die zersetzenden Kräfte des Kapitals und deren subversive Unterwanderung könnte diesen Titel tragen, oder: »Das Geld anderer Leute«, oder: »Für ein paar Dollar mehr«, oder »Die Farbe des Geldes« oder: »Jagd nach Millionen«, oder ganz einfach: »Das Geld« PS: »The more I see of the moneyed classes, the more I understand the guillotine.« (Shaw)
Toy Story 4 von Josh Cooley (2019) : Eine Wiederbegegnung mit den üblichen Verdächtigen aus dem Kinderzimmer (und ein paar bizarren Neuzugängen): wieder eine abenteuerliche Rettungsmission und wieder das grüblerische Ringen der Objekte um die Subjekthaftigkeit. Ein wenig redundant das alles, dabei aber immer noch einigermaßen unterhaltsam.
Ich war zuhause, aber ... von Angela Schanelec (2019) : (»There’s such a lot of world to see.«) Vielleicht hat Schanelec ja einen Science-Fiction-Film gemacht, einen Film über Wesen, die aussehen wie Menschen, aber eigentlich Aliens sind, die zu verstehen versuchen, was es heißt, ein Mensch zu sein, die sich herumschlagen (müssen) mit den Fragen von Sein und Werden, Lüge und Wahrheit, Liebe und Tod. (Oder ist es ein Film über die Welt, gesehen mit den Augen eines Esels, eines Hundes, eines Hasen, einer Wachtel?)
September
Late Night von Nisha Ganatra (2019) : Nach 28 Jahren auf Sendung schlägt Moderatorin (Dame) Katherine Newbury die Stunde: zu alt, zu weiß, zu unpersönlich sei ihre allnächtliche Performance. »Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch«, wußte schon Hölderlin – als da in diesem Falle wären: Frische, Farbe, Selbstentblößung. (Dame) Emma Thompsons (ziemlich fulminante) The-Show-Must-Go-On-Darbietung muß Ganatras (ziemlich lahmer) Medienposse unterdies immer wieder aus der sentimentalen Patsche helfen.
Synonymes von Nadav Lapid (2019) : Stationendrama einer Identitätskrise oder Ein Israeli in Paris. Lapid folgt seinem verrückt spielenden (oder tatsächlich verrückten?) Protagonisten auf der (einigermaßen enervierenden) Flucht vor dem eigenen Herkommen durch eine ((Alp-)Traum-)Welt, die nicht zur neuen Heimat werden will. Das vaterländisch-muttersprachliche Ideen-Pêle-Mêle wird von Tom Mercier in der Hauptrolle auf atemberaubende Weise zusammengehalten.
Once Upon a Time ... in Hollywood von Quentin Tarantino (2019) : Im Grunde gleicht Tarantino einem Sammler, der kaum an den Objekten seiner Begierde interessiert ist, dem es vielmehr um deren massenweises Zusammenraffen und stolze Zurschaustellung geht. Über das Unbehagen in der Kulturindustrie hat er so wenig Erhellendes (oder Originelles) zu sagen (oder zu zeigen) wie über die Abgründe der Gegenkultur – so bleiben am Ende nur inhaltsleeres Gerede und fanfictionhaftes Entweichen in ein Es-war-einmal-Spiegelland, wo die Toten heute noch leben. (Aber gestorben sind sie leider doch.)
Ad Astra von James Gray (2019) : Was beginnt wie eine Weltraumodyssee ins Herz der Finsternis (Suche nach außerirdischer Intelligenz meets Wahnsinn im Grenzgebiet der Zivilisation), endet als trivialpathetischer Vater-Sohn-Konflikt. Weder die außergewöhnliche audiovisuelle Eleganz der Inszenierung noch Grays bohrende introspektive Ernsthaftigkeit (einsame Männer in unendlichen Weiten) können verhindern, daß die ins Kosmische zielende Erzählung abschmiert wie eine feuchte Silvesterrakete.
The White Crow von Ralph Fiennes (2019) : Was Callas für die Oper und Picasso für die moderne Malerei sind, ist Nurejew für den Tanz: ein Inbegriff. Fiennes liefert einen (formal äußerst gediegenen) filmbiographischen Abglanz der Ikone, der den ichbefangen-hochfahrenden Charakter des Protagonisten halbwegs zu fassen kriegt, von dessen künstlerischer Bedeutung aber kaum eine Ahnung gibt; gegen Ende der Erzählung gelingt ihm immerhin die spannungsreiche Darstellung einer ebenso folgenschweren wie denkwürdigen Lebensentscheidung.
Oktober
Gemini Man von Ang Lee (2019) : Will Smith und Will Smith (und Will Smith) in einem ultrakünstlichen Action-Killer-Thriller, dessen thematisches Potential (Individualität, Genmanipulation, Kriegsindustrie) von Lee gelegentlich touchiert, zumeist aber im hektischen Hin und Her zwischen Lüttich und Georgia, Kolumbien und Budapest ungerührt weggeballert wird.
Joker von Todd Phillips (2019) : Ein kaputter Typ in einer kaputten Gesellschaft lacht kaputt, was ihn kaputt macht. Mit seiner auf New Hollywood geschminkten exzentrisch-brutalen Sozialallegorie nimmt Phillips sich so wichtig wie der apokalyptische Protagonist. Daß Robert De Niro, der vergleichbare Rollen einst deutlich abgründiger zu gestalten wußte, in diesem Fall lediglich Stichworte geben darf, sagt mehr als tausend Clownsmasken.
Terminator: Dark Fate von Tim Miller (2019) : Ewige Wiederkunft des Gleichen: Mensch gegen Maschine gegen optimierte Mensch-Maschine gegen optimierte Maschinen-Maschine. Einer respektvoll erschüttertem Welt wird offenbar, welch dunkles Schicksal Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton ereilt hat, und Miller läßt dazu die Trümmer der jüngeren Filmgeschichte tanzen.
November
Lara von Jan Ole Gerster (2019) : Vierundzwanzig Stunden aus dem (nicht gelebten) Leben einer Frau – nach dem episodischen Oh-Boy-Prinzip heftet sich Gerster einen Tag lang an die Fersen einer ziemlich unliebenswürdigen Sechzigerin (Corinna »Stone Face« Harfouch). Geriet dem Regisseur das Debüt zum salopp-pointierten Zeitbild, reiht sein lang erwarteter Zweitling nur mehr stylisch-verquälte Abziehbilder aneinander.
Last Christmas von Paul Feig (2019) : Sentimentale Weihnachtsromanze aus einem London, das so unwirklich erscheint wie die Anwesenheit einer Elfe in der Suppenküche für Obdachlose. Trotz beiläufiger Fingerzeige auf Brexit-Problematik und fortschreitende Prekarisierung versinkt diese übersinnliche Herzensangelegenheit (zu schmusigen George-Michael-Klängen) vollständig im eigenen Schmalz.
Dezember
The Good Liar von Bill Condon (2019) : Was beginnt wie eine gemächliche Trickster-Romanze unter wohlerhaltenen Senioren (Ian McKellen meets Helen Mirren), entwickelt sich sukzessive zum (ziemlich unglaubhaften) Rache-Melodram um die Begleichung uralter Rechnungen. Condon verliert sich so tief in abstrusen Rückblenden, daß auch die böse Schlußpointe keine rechte Wirkung mehr entfalten kann.
A Rainy Day in New York von Woody Allen (2019) : Eine elegante Petitesse über junge Leute in der großen Stadt. Mit der sogenannten Realität hatte Allen nie besonders viel am Hut, und so bewegen sich seine Figuren auch in dieser leichtgewichtigen Liebes- und Gesellschaftskomödie durch ein kinematographisch-literarisches Paralleluniversum, das mit dem Hier und Jetzt höchstenfalls dekorative Äußerlichkeiten gemein hat.
Motherless Brooklyn von Edward Norton (2019) : Anklänge an Polanskis »Chinatown« sind überdeutlich: die Aufklärung eines Mordfalles führt in ein schier undurchdringliches Gestrüpp aus Sex, Verbrechen und (Macht-)Politik. Nortons geschmackvoll-überlange Adaption des Romans von Jonathan Lethem ersetzt Los Angeles durch New York, die 1930er durch die 1950er, die coole Spürnase durch einen Schnüffler mit Tourette-Syndrom. Die Auflösung erscheint jedoch banal gemessen an der behaupteten Größe des Mysteriums.
Deux moi von Cédric Klapisch (2019) : Rémy und Mélanie, beide um die 30, wohnen Wand an Wand mit Blick über Bahngleise und die Dächer des grauen Pariser Nordens. Sie ist ständig müde, er kann nicht schlafen, sie trauert ihrem Ex nach, er findet keine Freundin, sie grollt mit ihrer Mutter, er lebt auf Distanz zur Familie. Klapisch inszeniert eine kluge psychologische Tragikomödie über Menschen, die sich nah sind, ohne voneinander zu wissen, folgt dem Weg zweier Parallelen, die sich (mit etwas Glück) nicht erst im Unendlichen treffen.
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1. Januar 2020
26. Juni 2019
2019 1/2
Aktuelle Filme im ersten Halbjahr
Januar
Shoplifters von Hirokazu Koreeda (2018) : Was schafft familiäre Bindung: dasselbe Blut in den Adern oder ein liebevoller Umgang und der gemeinschaftliche Verzehr von Nudelsuppe (aus Plastikbechern, wenn es sein muß)? Koreeda verhandelt das Thema erzählerisch auf ermüdend unspektakuläre Weise; zudem verzichtet sein bis zur Tonlosigkeit stilles Sozialdrama weitgehend auf visuelle Raffinesse.
Spider-Man: Into the Spider-Verse von Bob Persichetti & Peter Ramsey & Rodney Rothman (2018) : »Too much of a good thing can be wonderful!« wußte schon Mae West. Die Macher des Films haben sich das Motto der Diva entschlossen zu eigen gemacht – von einigen offenbar unvermeidlichen (Vater-Sohn-)Gefühligkeiten abgesehen, bietet ihr diversitär-ironisches Spider-Verse teilchenbeschleunigte Kurzweil und eine ingeniös-psychedelische Verschmelzung von Print- und Animationsästhetik.
Der Junge muß an die frische Luft von Caroline Link (2018) : Tragikomischer Familienroman, atmosphärisch dichtes Sittenbild der alten Bundesrepublik, Geschichte einer helldunklen Kindheit. Link gestaltet ihre Adaption der Erinnerungen von Hape Kerkeling als berührende Reise durch Außen- und Innenwelten, in denen Schlagerglück und Depressionen, Eierlikör und Karneval, Zusammenhalt und Tod gleichermaßen ihren Platz haben: »Das Leben muß ja irgendwie weitergehen.«
The Favourite von Yorgis Lanthimos (2018) : »Let’s shoot something!« Kabale und Liebe am Hof der ersten britischen Monarchin. Lanthimos’ parabolische Weitwinkel-Groteske der Macht(losigkeit) leuchtet, bei aller dekorativ-amüsanten Bizarrerie, tief in die Abgründe geschundener Seelen, die, ob Herrscher oder Beherrschte, ob handelnd oder behandelt, zu erbärmlichen Sklaven ihrer (politischen, sozialen, erotischen) Rolle werden.
Februar
The Mule von Clint Eastwood (2018) : Ein alter weißer Mann zeigt hitzigen Latinos, wie man zum erfolgreichen Drogenkurier wird: indem man sich an die Verkehrsregeln hält, mal einen Umweg zum besten Pulled-Pork-Sandwich der Welt macht oder einer netten N-Wort-Familie beim Reifenwechsel hilft. Quasi im Vorbeifahren gelingt dem greisen Helden natürlich auch noch die Versöhnung mit der entfremdeten Familie – wohl nur einem liebenswerten Fossil wie Eastwood ist ein solcher Quatsch zu verzeihen.
Brecht von Heinrich Breloer (2019) : Keine Spur von V-Effekt: Breloer setzt auf kreuzbrav-illusionistische Nacherzählung der B.B.-Biographie – zuerst Jugend und Durchbruch, dann Alter und Denkmalwerdung. Wird Brechts künstlerische Persönlichkeit, vor allem in den dargestellten Probensituationen, dabei noch einigermaßen greifbar, bleiben die zahlreichen Frauenfiguren das, was wohl auch der Dichter am liebsten in ihnen sah: Trabanten, die ums Zentralgestirn kreisen.
Roma von Alfonso Cuarón (2018) : Erinnerungen an das Leben in einem gutbürgerlichen Haushalt in Mexico-City zu Beginn der 1970er Jahre. Während draußen vor der Tür die Gesellschaft in blutigen Aufruhr gerät, bröckelt drinnen das heimische Glück: der Vater verläßt Frau und Kinder, das schwangere Hausmädchen bekommt vom Lover den Laufpaß. Cuarón entwickelt die sozialen und privaten Dramen ohne Aufgeregtheit, reiht präzise choreographierte, visuell hochstilisierte Szenen des Alltags und der Sitten, betrachtet die Spiegelung eines Flugzeugs im hin- und herschwappenden Putzwasser mit derselben beiläufigen Teilnahme wie die Hetzjagd auf Menschen in den Straßen der Stadt.
Der Goldene Handschuh von Fatih Akin (2019) : »Es geht eine Träne auf Reisen.« Drastik als ästhetisches Programm – daß Akin einen Serienmörder zuerst und vor allem als Serienmörder zeigt, daß er auch bei der x-ten Bluttat nicht wegschaut, sondern hinsieht, daß es ihm dabei weniger um Kriminalpsychologie oder Gesellschaftskritik zu tun ist, sondern vielmehr um die Gestaltung einer todtraurig-monströsen BRD-Noir-Horror-Schlager-Show, mag man als Voyeurismus oder Sozialpornographie abtun. Man kann es aber auch künstlerische Konsequenz nennen: »Die Märchen wollen nicht mehr Märchen sein.«
März
Vice von Adam McKay (2018) : Nicht nur in Wyoming, auch mancherorts in Hollywood kennt man den Unterschied zwischen richtig und falsch. In diesem Sinne identifiziert McKay Ex-Vizepräsident Dick Cheney als Fürsten der politischen Finsternis, der für ungefähr jede Schweinerei der jüngeren US-Geschichte verantwortlich zeichnet; vor lauter beifallheischender satirischer Schenkelklopferei wird das Objekt seiner Kritik freilich zum Knuddel-Buhmann nachträglicher (und dementsprechend ziemlich nutzloser) liberaler Wohlfühlpropaganda (mit zugegebenermaßen solidem Unterhaltungswert).
The Sisters Brothers von Jacques Audiard (2018) : In diesem schwarzironischen Post-Western schickt Audiard seine Helden (?) nicht nur auf einen abenteuerlichen Trip durch vorzivilisatorische Gefilde, sondern vor allem auf eine innere Reise durch die widersprüchlichen Landschaften ihrer Schwächen (Habgier, Gleichgültigkeit, Brutalität) und Stärken (Fantasie, Ausdauer, Mitleid), um sie den Hort des Glücks nicht an einem utopischen, sondern an einem altbekannten Ort entdecken zu lassen (Wie es bei Novalis heißt: »Wo gehn wir denn hin?« – »Immer nach Hause.«)
Asche ist reines Weiß von Jia Zhangke (2018) : China zwischen Jahrtausendwende und Gegenwart: Zwei Jahrzehnte drastischer wirtschaftlicher, sozialer (und topographischer) Veränderungen liefern den Hintergrund für Jias elegisch-elliptisches Unterweltmelodram, das seine Protagonisten – einen ziemlich glücklosen Provinzmafioso und eine ziemlich willensstarke Gangsterbraut – durch Land und Zeit spült, ohne den Antriebskräften des gesellschaftlichen Umbruchs besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
M – Eine Stadt sucht einen Mörder von David Schalko (2019) : Ein Kindermörder versetzt Wien in Angst und Schrecken, die Polizei tappt im Dunkeln (bzw. im Schnee), das Recht sucht sich seinen Weg. Schalkos figurenreiches Update des Fritz-Lang-Klassikers will alles sein –Soziogramm und Zeitstück, Kunstmärchen und Thriller, Drama und Groteske –, richtet das Augenmerk dabei, anders als das Original, nicht auf die Funktionsweise eines städtischen Organismus, sondern (bisweilen recht oberlehrerhaft) auf das Zusammenspiel einer unheiligen Dreifaltigkeit aus Politik, Medien und gesundem Volksempfinden. In der Summe originelles Entertainment, das Langs künstlerischer Meisterschaft freilich um Längen hinterhinkt.
Us von Jordan Peele (2019) : »Ich bin, was du vergessen hast«, sang einst Ingrid Caven; Peele läßt eine ganze Untergrundarmee von Vergessenen aufmarschieren, um zunächst mit der guten alten (schwarzromantischen) Angst des Menschen vor seinem Doppelgänger (als Symbol des Verdrängten und des drohenden Identitätsverlustes) zu spielen und sodann das blutige Strafgericht (Jeremia 11,11) an einer Gesellschaft zu exekutieren, deren Mitglieder auf Kosten anderer (ihrer entwürdigten Ebenbilder ≈ ihrer selbst) leben: »Who are you people?« – »We’re Americans.« Horror mit Botschaft.
April
Dumbo von Tim Burton (2019) : Ein Film wie ein Elefant mit übergroßen Ohren, der, anders als sein Protagonist, zu keinem Zeitpunkt vom Boden abhebt. Burton irrt durch ein Drehbuchgestrüpp aus Mutterkult und Zirkuskitsch, Tierethik und Familienschnulz, wobei er eben jenen ziel- und lustlosen Vergnügungsterror betreibt, den er – in Gestalt eines absurd diabolischen Unterhaltungsmoguls – anzuprangern vorgibt.
Welcome to Marwen von Robert Zemeckis (2018) : Um das Trauma einer fast tödlichen Prügelattacke zu verarbeiten, läßt Mark Hogancamp die Puppen tanzen: In (s)einer phantastisch-therapeutischen Kunstwelt wird der Überlebende zum US-Offizier, der im Belgien des Zweiten Weltkriegs, sekundiert von einem Trupp heldinnenhafter Damen, gegen schier unverwüstliche Hakenkreuzträger zu Felde zieht. Zemeckis inszeniert das Psychodrama eines versehrten Mannes als bizarr-schlüssige Mischung aus intimer Seelenstudie und knallig animierter Naziploitation.
Mai
La dernière folie de Claire Darling von Julie Bertuccelli (2018) : Deneuve als leicht tüdelige alte Dame, die, von einer plötzlichen Todesahnung ergriffen, ihren großbürgerlichen Haushalt verramscht. Hinter den dekorativen Kulissen spukt ein (eher banales) Familiengeheimnis, dem Bertuccelli, auch wenn Vergangenheit und Gegenwart erzählerisch stellenweise sehr elegant ineinanderfließen und der große Ausverkauf in einer (an Antonioni erinnernden) Explosion der Dingwelt kulminiert, kaum emotionalen Suspense abringen kann.
Das Ende der Wahrheit von Philipp Leinemann (2019) : Leinemanns Pullach-Ausgabe eines Internal-Affairs-Geheimdienstthrillers versammelt zwar ein ansehnliches Ensemble (Fehling, Michelsen, Prahl, Zehrfeld, Zirner), aber leider auch alle Langweiligkeiten des Genres: schablonenhafte Charaktere, öde Lagebesprechungen, stereotype Intrigen, krokodilstränenselige Gewissensprüfungen. Das Ende dieser Wahrheit liegt im Schema F begraben.
Greta von Neil Jordan (2018) : Viel Bekanntes spukt durch diesen trashig-eleganten New Yorker Stalker-Thriller: »The Collector« und »Fatal Attraction«, Märchenhexenwesen und Hagsploitation. Jordan tut gut daran, das (psychotische Störungs-)Feld ohne Wenn und Aber der unfehlbaren Isabelle Huppert zu überlassen, die mit selbstironischem Vergnügen die liebesträumerische (und tödlich durchgeknallte) Titelheldin verkörpert.
Juni
Rocketman von Dexter Fletcher (2019) : Zwar hebt auch Fletcher das narrative Reglement des Biopics nichts aus den Angeln, doch immerhin befüllt er seine Musical-Adaption der Vita von Elton John mit reichlich Camp und Schmaltz (und Sex-Appeal), womit er seinem Werk streckenweise jenen vulgärbarocken Drive verleiht, den es seit Ken Russells Künstlerbiographien im Kino ansonsten kaum mehr zu erleben gibt.
Doubles vies von Olivier Assayas (2018) : »The Martians have notebooks in their little hand / Because they’re strangers in this land.« Ist das Leben ein Roman? Ist Kunst eine Fortsetzung der Realität mit anderen Mitteln? Ist die Digitalisierung der folgerichtige Endpunkt menschlicher Entwicklung? Am Beispiel zweier intellektueller Pariser Paare –Verleger und Schauspielerin, Schriftsteller und Politberaterin – dekliniert Assayas diese (und andere) Fragestellungen wortgewandt-vergnüglich durch, ohne daß er vorgäbe, mit Antworten dienen zu können.
The Dead Don’t Die von Jim Jarmusch (2019) : »This is definitely going to end badly«, ahnt Officer Ronald Peterson schon zu Beginn der (ebenso seltsamen wie menschheitsgeschichtlich gesehen seltsam folgerichtigen) Ereignisse: die Toten steigen aus ihren Gräbern, und, gleich den Lebenden, wollen sie mehr von allem. Jarmusch bewahrheitet in seiner gemächlichen Genre-Variation das ungute Gefühl des defätistischen Polizisten mit gewohnter Deadpan-Attitüde: konsequent dezimiert er seinen All-Star-Cast und läßt (unser aller kleine Stadt) Centerville den Siegeszug des kannibalistischen Kapitalismus erleben. Anders gesagt: »What a fucking world.«
Men in Black: International von F. Gary Gray (2019) : Tritt ein Genre (oder »Franchise«) in die Phase der Selbstbezüglichkeit, schlägt die Stunde der inneren Angelegenheiten. MIB macht da keine Ausnahme und präsentiert im vierten Teil des klotzigen Sci-Fi-Agenten-Action-Spektakels einen internen Schurken, der sich passenderweise mit einer Art von kosmischem Krebsgeschwür assoziiert. Die vom Titel verkündete Internationalität bezieht sich vermutlich auf das wahllose Location-Hopping in schlechtester Bond-Tradition.
O Beautiful Night von Xaver Böhm (2019) : Die nächtliche Stadt als Jenseits im Diesseits, als transzendentes Licht- und Schattenspiel: ein hypochondrischer Jungmann zieht (eher ungewollt) mit dem Tod (in diesem Fall ein osteuropäischer Schluri) um die Häuser und findet die Liebe (in Gestalt einer philosophisch interessierten Peepshow-Tänzerin). Wie alle guten Trips gibt Böhms makaber-farbstarkes Neon-Nocturno weniger auf konventionelle Handlung denn auf ephemere Eindrücke, Emotionen, Erleuchtungen.
Januar
Shoplifters von Hirokazu Koreeda (2018) : Was schafft familiäre Bindung: dasselbe Blut in den Adern oder ein liebevoller Umgang und der gemeinschaftliche Verzehr von Nudelsuppe (aus Plastikbechern, wenn es sein muß)? Koreeda verhandelt das Thema erzählerisch auf ermüdend unspektakuläre Weise; zudem verzichtet sein bis zur Tonlosigkeit stilles Sozialdrama weitgehend auf visuelle Raffinesse.
Spider-Man: Into the Spider-Verse von Bob Persichetti & Peter Ramsey & Rodney Rothman (2018) : »Too much of a good thing can be wonderful!« wußte schon Mae West. Die Macher des Films haben sich das Motto der Diva entschlossen zu eigen gemacht – von einigen offenbar unvermeidlichen (Vater-Sohn-)Gefühligkeiten abgesehen, bietet ihr diversitär-ironisches Spider-Verse teilchenbeschleunigte Kurzweil und eine ingeniös-psychedelische Verschmelzung von Print- und Animationsästhetik.
Der Junge muß an die frische Luft von Caroline Link (2018) : Tragikomischer Familienroman, atmosphärisch dichtes Sittenbild der alten Bundesrepublik, Geschichte einer helldunklen Kindheit. Link gestaltet ihre Adaption der Erinnerungen von Hape Kerkeling als berührende Reise durch Außen- und Innenwelten, in denen Schlagerglück und Depressionen, Eierlikör und Karneval, Zusammenhalt und Tod gleichermaßen ihren Platz haben: »Das Leben muß ja irgendwie weitergehen.«
The Favourite von Yorgis Lanthimos (2018) : »Let’s shoot something!« Kabale und Liebe am Hof der ersten britischen Monarchin. Lanthimos’ parabolische Weitwinkel-Groteske der Macht(losigkeit) leuchtet, bei aller dekorativ-amüsanten Bizarrerie, tief in die Abgründe geschundener Seelen, die, ob Herrscher oder Beherrschte, ob handelnd oder behandelt, zu erbärmlichen Sklaven ihrer (politischen, sozialen, erotischen) Rolle werden.
Februar
The Mule von Clint Eastwood (2018) : Ein alter weißer Mann zeigt hitzigen Latinos, wie man zum erfolgreichen Drogenkurier wird: indem man sich an die Verkehrsregeln hält, mal einen Umweg zum besten Pulled-Pork-Sandwich der Welt macht oder einer netten N-Wort-Familie beim Reifenwechsel hilft. Quasi im Vorbeifahren gelingt dem greisen Helden natürlich auch noch die Versöhnung mit der entfremdeten Familie – wohl nur einem liebenswerten Fossil wie Eastwood ist ein solcher Quatsch zu verzeihen.
Brecht von Heinrich Breloer (2019) : Keine Spur von V-Effekt: Breloer setzt auf kreuzbrav-illusionistische Nacherzählung der B.B.-Biographie – zuerst Jugend und Durchbruch, dann Alter und Denkmalwerdung. Wird Brechts künstlerische Persönlichkeit, vor allem in den dargestellten Probensituationen, dabei noch einigermaßen greifbar, bleiben die zahlreichen Frauenfiguren das, was wohl auch der Dichter am liebsten in ihnen sah: Trabanten, die ums Zentralgestirn kreisen.
Roma von Alfonso Cuarón (2018) : Erinnerungen an das Leben in einem gutbürgerlichen Haushalt in Mexico-City zu Beginn der 1970er Jahre. Während draußen vor der Tür die Gesellschaft in blutigen Aufruhr gerät, bröckelt drinnen das heimische Glück: der Vater verläßt Frau und Kinder, das schwangere Hausmädchen bekommt vom Lover den Laufpaß. Cuarón entwickelt die sozialen und privaten Dramen ohne Aufgeregtheit, reiht präzise choreographierte, visuell hochstilisierte Szenen des Alltags und der Sitten, betrachtet die Spiegelung eines Flugzeugs im hin- und herschwappenden Putzwasser mit derselben beiläufigen Teilnahme wie die Hetzjagd auf Menschen in den Straßen der Stadt.
Der Goldene Handschuh von Fatih Akin (2019) : »Es geht eine Träne auf Reisen.« Drastik als ästhetisches Programm – daß Akin einen Serienmörder zuerst und vor allem als Serienmörder zeigt, daß er auch bei der x-ten Bluttat nicht wegschaut, sondern hinsieht, daß es ihm dabei weniger um Kriminalpsychologie oder Gesellschaftskritik zu tun ist, sondern vielmehr um die Gestaltung einer todtraurig-monströsen BRD-Noir-Horror-Schlager-Show, mag man als Voyeurismus oder Sozialpornographie abtun. Man kann es aber auch künstlerische Konsequenz nennen: »Die Märchen wollen nicht mehr Märchen sein.«
März
Vice von Adam McKay (2018) : Nicht nur in Wyoming, auch mancherorts in Hollywood kennt man den Unterschied zwischen richtig und falsch. In diesem Sinne identifiziert McKay Ex-Vizepräsident Dick Cheney als Fürsten der politischen Finsternis, der für ungefähr jede Schweinerei der jüngeren US-Geschichte verantwortlich zeichnet; vor lauter beifallheischender satirischer Schenkelklopferei wird das Objekt seiner Kritik freilich zum Knuddel-Buhmann nachträglicher (und dementsprechend ziemlich nutzloser) liberaler Wohlfühlpropaganda (mit zugegebenermaßen solidem Unterhaltungswert).
The Sisters Brothers von Jacques Audiard (2018) : In diesem schwarzironischen Post-Western schickt Audiard seine Helden (?) nicht nur auf einen abenteuerlichen Trip durch vorzivilisatorische Gefilde, sondern vor allem auf eine innere Reise durch die widersprüchlichen Landschaften ihrer Schwächen (Habgier, Gleichgültigkeit, Brutalität) und Stärken (Fantasie, Ausdauer, Mitleid), um sie den Hort des Glücks nicht an einem utopischen, sondern an einem altbekannten Ort entdecken zu lassen (Wie es bei Novalis heißt: »Wo gehn wir denn hin?« – »Immer nach Hause.«)
Asche ist reines Weiß von Jia Zhangke (2018) : China zwischen Jahrtausendwende und Gegenwart: Zwei Jahrzehnte drastischer wirtschaftlicher, sozialer (und topographischer) Veränderungen liefern den Hintergrund für Jias elegisch-elliptisches Unterweltmelodram, das seine Protagonisten – einen ziemlich glücklosen Provinzmafioso und eine ziemlich willensstarke Gangsterbraut – durch Land und Zeit spült, ohne den Antriebskräften des gesellschaftlichen Umbruchs besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
M – Eine Stadt sucht einen Mörder von David Schalko (2019) : Ein Kindermörder versetzt Wien in Angst und Schrecken, die Polizei tappt im Dunkeln (bzw. im Schnee), das Recht sucht sich seinen Weg. Schalkos figurenreiches Update des Fritz-Lang-Klassikers will alles sein –Soziogramm und Zeitstück, Kunstmärchen und Thriller, Drama und Groteske –, richtet das Augenmerk dabei, anders als das Original, nicht auf die Funktionsweise eines städtischen Organismus, sondern (bisweilen recht oberlehrerhaft) auf das Zusammenspiel einer unheiligen Dreifaltigkeit aus Politik, Medien und gesundem Volksempfinden. In der Summe originelles Entertainment, das Langs künstlerischer Meisterschaft freilich um Längen hinterhinkt.
Us von Jordan Peele (2019) : »Ich bin, was du vergessen hast«, sang einst Ingrid Caven; Peele läßt eine ganze Untergrundarmee von Vergessenen aufmarschieren, um zunächst mit der guten alten (schwarzromantischen) Angst des Menschen vor seinem Doppelgänger (als Symbol des Verdrängten und des drohenden Identitätsverlustes) zu spielen und sodann das blutige Strafgericht (Jeremia 11,11) an einer Gesellschaft zu exekutieren, deren Mitglieder auf Kosten anderer (ihrer entwürdigten Ebenbilder ≈ ihrer selbst) leben: »Who are you people?« – »We’re Americans.« Horror mit Botschaft.
April
Dumbo von Tim Burton (2019) : Ein Film wie ein Elefant mit übergroßen Ohren, der, anders als sein Protagonist, zu keinem Zeitpunkt vom Boden abhebt. Burton irrt durch ein Drehbuchgestrüpp aus Mutterkult und Zirkuskitsch, Tierethik und Familienschnulz, wobei er eben jenen ziel- und lustlosen Vergnügungsterror betreibt, den er – in Gestalt eines absurd diabolischen Unterhaltungsmoguls – anzuprangern vorgibt.
Welcome to Marwen von Robert Zemeckis (2018) : Um das Trauma einer fast tödlichen Prügelattacke zu verarbeiten, läßt Mark Hogancamp die Puppen tanzen: In (s)einer phantastisch-therapeutischen Kunstwelt wird der Überlebende zum US-Offizier, der im Belgien des Zweiten Weltkriegs, sekundiert von einem Trupp heldinnenhafter Damen, gegen schier unverwüstliche Hakenkreuzträger zu Felde zieht. Zemeckis inszeniert das Psychodrama eines versehrten Mannes als bizarr-schlüssige Mischung aus intimer Seelenstudie und knallig animierter Naziploitation.
Mai
La dernière folie de Claire Darling von Julie Bertuccelli (2018) : Deneuve als leicht tüdelige alte Dame, die, von einer plötzlichen Todesahnung ergriffen, ihren großbürgerlichen Haushalt verramscht. Hinter den dekorativen Kulissen spukt ein (eher banales) Familiengeheimnis, dem Bertuccelli, auch wenn Vergangenheit und Gegenwart erzählerisch stellenweise sehr elegant ineinanderfließen und der große Ausverkauf in einer (an Antonioni erinnernden) Explosion der Dingwelt kulminiert, kaum emotionalen Suspense abringen kann.
Das Ende der Wahrheit von Philipp Leinemann (2019) : Leinemanns Pullach-Ausgabe eines Internal-Affairs-Geheimdienstthrillers versammelt zwar ein ansehnliches Ensemble (Fehling, Michelsen, Prahl, Zehrfeld, Zirner), aber leider auch alle Langweiligkeiten des Genres: schablonenhafte Charaktere, öde Lagebesprechungen, stereotype Intrigen, krokodilstränenselige Gewissensprüfungen. Das Ende dieser Wahrheit liegt im Schema F begraben.
Greta von Neil Jordan (2018) : Viel Bekanntes spukt durch diesen trashig-eleganten New Yorker Stalker-Thriller: »The Collector« und »Fatal Attraction«, Märchenhexenwesen und Hagsploitation. Jordan tut gut daran, das (psychotische Störungs-)Feld ohne Wenn und Aber der unfehlbaren Isabelle Huppert zu überlassen, die mit selbstironischem Vergnügen die liebesträumerische (und tödlich durchgeknallte) Titelheldin verkörpert.
Juni
Rocketman von Dexter Fletcher (2019) : Zwar hebt auch Fletcher das narrative Reglement des Biopics nichts aus den Angeln, doch immerhin befüllt er seine Musical-Adaption der Vita von Elton John mit reichlich Camp und Schmaltz (und Sex-Appeal), womit er seinem Werk streckenweise jenen vulgärbarocken Drive verleiht, den es seit Ken Russells Künstlerbiographien im Kino ansonsten kaum mehr zu erleben gibt.
Doubles vies von Olivier Assayas (2018) : »The Martians have notebooks in their little hand / Because they’re strangers in this land.« Ist das Leben ein Roman? Ist Kunst eine Fortsetzung der Realität mit anderen Mitteln? Ist die Digitalisierung der folgerichtige Endpunkt menschlicher Entwicklung? Am Beispiel zweier intellektueller Pariser Paare –Verleger und Schauspielerin, Schriftsteller und Politberaterin – dekliniert Assayas diese (und andere) Fragestellungen wortgewandt-vergnüglich durch, ohne daß er vorgäbe, mit Antworten dienen zu können.
The Dead Don’t Die von Jim Jarmusch (2019) : »This is definitely going to end badly«, ahnt Officer Ronald Peterson schon zu Beginn der (ebenso seltsamen wie menschheitsgeschichtlich gesehen seltsam folgerichtigen) Ereignisse: die Toten steigen aus ihren Gräbern, und, gleich den Lebenden, wollen sie mehr von allem. Jarmusch bewahrheitet in seiner gemächlichen Genre-Variation das ungute Gefühl des defätistischen Polizisten mit gewohnter Deadpan-Attitüde: konsequent dezimiert er seinen All-Star-Cast und läßt (unser aller kleine Stadt) Centerville den Siegeszug des kannibalistischen Kapitalismus erleben. Anders gesagt: »What a fucking world.«
Men in Black: International von F. Gary Gray (2019) : Tritt ein Genre (oder »Franchise«) in die Phase der Selbstbezüglichkeit, schlägt die Stunde der inneren Angelegenheiten. MIB macht da keine Ausnahme und präsentiert im vierten Teil des klotzigen Sci-Fi-Agenten-Action-Spektakels einen internen Schurken, der sich passenderweise mit einer Art von kosmischem Krebsgeschwür assoziiert. Die vom Titel verkündete Internationalität bezieht sich vermutlich auf das wahllose Location-Hopping in schlechtester Bond-Tradition.
O Beautiful Night von Xaver Böhm (2019) : Die nächtliche Stadt als Jenseits im Diesseits, als transzendentes Licht- und Schattenspiel: ein hypochondrischer Jungmann zieht (eher ungewollt) mit dem Tod (in diesem Fall ein osteuropäischer Schluri) um die Häuser und findet die Liebe (in Gestalt einer philosophisch interessierten Peepshow-Tänzerin). Wie alle guten Trips gibt Böhms makaber-farbstarkes Neon-Nocturno weniger auf konventionelle Handlung denn auf ephemere Eindrücke, Emotionen, Erleuchtungen.
30. Dezember 2018
2018 2/2
Aktuelle Filme im zweiten Halbjahr
Juli
On Chesil Beach von Dominic Cooke (2017) : Liebe 1962 – Florence und Edward, sie ätherisch-verkrampft, er rustikal-empfindlich, stolpern in die Ehe hinein und nach einer katastrophal verlaufenden Hochzeitsnacht wieder hinaus. Die einigermaßen disparaten (und jeweils auf ihre Art problematischen) Biographien des jungen Paares werden in betulichen Rückblenden beleuchtet, bevor die Erzählung einer tränenzieherischen Pointe entgegenschlingert. Das engagierte Spiel der beiden Hauptdarsteller macht Cookes kieselknirschende Mc-Ewan-Adaption leider auch nicht flott.
Love, Cecil von Lisa Immordino Vreeland (2017) : Eine konventionelle Dokumentation über einen unkonventionellen Mann. Cecil Beaton war Fotograf, Zeichner, Autor, Kostüm- und Bühnenbildner – ein ruheloser Dandy, ein »terrible homosexualist«, ein unverbesserlicher Ästhet, der den Schrecken des 20. Jahrhunderts ein künstliches Paradies der Schönheit entgegenträumte (und -lebte). Vreeland erzählt die Biographie des Mulitalents zwischen Bright Young Things und Swinging London, zwischen Vogue und Blitz, zwischen Buckingham Palace und Hollywood gewissenhaft nach, ohne sich dessen Leitspruch »Be daring, be different, be impractical!« gestalterisch zu Herzen zu nehmen.
August
Thoroughbreds von Cory Finley (2017) : Ein lakonisch-böser, dabei erfreulich formbewußter Thriller über Indolenz und Berechnung, Nutzlosigkeit und Ehrgeiz. Mit seiner klinischen Studie der unheilvollen Beziehung zweier heranwachsender Frauen aus besseren Kreisen gibt Debütant Finley ein Beispiel für verzweifelt-coole Wohlstandsverwahrlosung, das auch gesellschaftskritischen Kapazitäten wie Lang, Chabrol oder Seidl durchaus zur filmischen Ehre gereichen würde.
September
Gundermann von Andreas Dresen (2018) : Wer sind »wir«? Was wollen »sie«? Und wo bleibe »ich«? Dresens Biographie eines singenden Schaufelradbaggerfahrers, eines schaufelradbaggerfahrenden Sängers stellt diese Fragen mit ungetrübtem Blick auf gesellschaftliche Realitäten (in diesem Fall die des real-existierenden Sozialismus) und ohne den Anschein zu erwecken, abschließende Antworten geben zu können. Gundermann: einfühlsamer Dichter und fusselhaariger Sonderling, querulantischer Idealist und larmoyanter Verräter – ein faszinierender Antiheld wie er (nicht nur im roten) Buche steht: »Wir wissen, daß alles was kommt, auch wieder geht. / Warum tut es dann immer wieder und immer mehr weh?«
Asphaltgorillas von Detlev Buck (2018) : Bucks Versuch, neonglänzende Cinéma-du-Look-Synthetik und brutalistisches Referenzkino à la Tarantino zu einem romantisch-burlesken Berliner Gangsta-Buddy-Noir-Märchen zu verschmelzen, scheitert nicht am Abfeiern von Storyklischees, Figurenstereotypen oder Gefühlssimulationen, sondern an grenzdebilen Dialogen, linkischen Drehbuchkonstruktionen und heillos überforderten Darstellern – einzig der grandiose Georg Friedrich läßt etwas von den besseren Möglichkeiten dieses fehlgeschlagenen Vorhabens ahnen.
Kulenkampffs Schuhe von Regina Schilling (2018) : »... und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben.« Nachrede auf einen frühverstorbenen Vater (Jahrgang 1925) im Spiegel der bundesdeutschen Fernsehunterhaltung: Schilling setzt die TV-Legenden Hans-Joachim Kulenkampff, Peter Alexander, Hans Rosenthal ins Verhältnis zu Schuld, Traumatisierung, Sprachlosigkeit unter besonderer Berücksichtigung der eigenen Familiengeschichte in Nationalsozialismus, Nachkrieg, Wirtschaftswunder – persönlich-mediale Erinnerungsarbeit als bewegendes historisches Lehrstück.
The Predator von Shane Black (2018) : Die Frage, ob das titelgebende extraterrestrische Wesen einfach nur seinen Mordspaß sucht (und massenhaft findet), oder ob das Töten in dessen beutegreifenden Natur begründet liegt, bleibt letztlich unbeantwortet. Der stahlharte Profi Black stellt hingegen keinen Zweifelsfall dar: ihm hat die einfältige Action-Metzelei – unter ungebremstem Einsatz von Massakerhumor, Pathosimitat und enthusiastisch stampfender Klingt-fast-wie-aus-den-Eighties-Mucke – erkennbar Vergnügen bereitet.
Searching von Aneesh Chaganty (2018) : Indem er für sein missing-person mystery die Kinoleinwand mit der Oberfläche eines Computermonitors kurzschließt, schützt Chaganty formale Originalität vor, wenngleich er über altbekannte POV-Strategien und Split-screen-Effekte selten hinauskommt. Auch für die (Ver-)Formung unseres Lebens durch digitale Medien interessiert sich der Ex-Google-Laborant nur als Erzählantrieb, wohingegen sein kühler Blick auf (beiderseits) gestörte Eltern-Kind-Verhältnisse einen beklemmenden Thrill auszulösen vermag.
Oktober
The Man Who Killed Don Quixote von Terry Gilliam (2018) : Das Schicksal hat mehrfach und deutlich mit dem Zaunpfahl gewinkt – Gilliam ist unbeirrt gegen die widrigen Umstände geritten, um einen montrösen filmischen Trümmerhaufen aus Spanien-, Russen- und Künstler-Klischees, aus Schmierentheater, Fundusstaub und dramaturgischen Dysfunktionen aufzuschütten: Lost in La Mancha II. Wer will, mag in dieser ungefügen Donquichotterie das surreal-dekonstruktivistische Spiel mit einem Mythos erkennen.
A Star Is Born von Bradley Cooper (2018) : Aufstieg und Fall, Euphorie und Tristesse, Liebe und Tod: »It’s the same story told over and over, forever.« Cooper erzählt die uralte Geschichte vom angezählten Star und vom emporkommenden Talent in seiner ersten Regiearbeit ohne Scheu vor sentimentaler Zuspitzung, mit (auch in visueller Hinsicht) hoher Musikalität und viel Spielraum für Lady Gagas charismatische Präsenz – ein Melodrama im besten Sinne des Wortes.
Todos lo saben von Asghar Farhadi (2018) : Anfangs gleicht der Film einem Werbeclip für Spanienurlaub – Fiestastimmung wie weiland in Villarriba und Villabajo –, doch das Unheil schwebt schon dräuend über den Köpfen: Ein Entführungsfall bringt die unterdrückten Konflikte in einer einstmals bemittelten Sippschaft ans Licht. Leider geht Farhadi nicht wirklich ans familiär Eingemachte, und auch der Grundidee seines rührstückhaften Thrillerplots (Stichwort: Wissen und Nichtwissen) mangelt es ganz erheblich an Plausibilität.
Place publique von Agnès Jaoui (2018) : Seit einem Vierteljahrhundert kultivieren Jaoui und Bacri eine spezifische Form von einfühlsamem Sarkasmus, um Hochgefühle und Weltschmerzen der genießenden Klasse differenziert abzuschildern. Auch die jüngste Zusammenarbeit des (Ex-Ehe-)Paares, eine figurenreiche Studie über Öffentlichkeit und Intimität im allgemeinen Medienzirkus, bietet Kultursoziologie von beneidenswerter Nonchalance.
November
Bohemian Rhapsody von Bryan Singer (2018) : Widersetzlichkeit und Erfolg, Ruhm und Dünkel, Absturz und Reue, Neugeburt und Verklärung – Singer gießt das Leben eines extravaganten Rockstars routiniert in tausendfach bewährte Biopic-Form; hätte er die Tiefen des Dramas abgründiger gestaltet, wären ihm Freddie Mercurys Höhenflüge vielleicht schillernder geraten.
In My Room von Ulrich Köhler (2018) : Ohne erkennbare ironische Brechung schraubt Köhler das große »Letzter-Mann-auf Erden«-Drama zur weitschweifigen Befindlichkeitsstudie (inklusive gelebtem Jungstraum von selbstgebastelter Autarkie) herunter. Sein Protagonist sieht sich nicht mit Zombies oder Aliens konfrontiert sondern mit Pferden, Ziegen, Hunden sowie der letzten Frau auf Erden nebst den dazugehörigen Problemen – wobei es dem Langweiler gelingt, auch in außergewöhnlichen Umständen ein Langweiler zu bleiben.
Loro von Paolo Sorrentino (2018) : Aus der Erkenntnis, daß die von Berlusconi und Konsorten geschaffene Bunga-Bunga-Welt im Grunde unerklärlich ist, zieht Sorrentino die einzig mögliche Konsequenz: er beschränkt sich auf reine Phänomenologie. Die hochgestylte Leere seines Werks entspricht der nihilistischen Vergnügungswut des (von Toni Servillo mit hermetischer Grandezza verkörperten) Cavaliere – die hierzulande gezeigte, um eine knappe Stunde gekürzte, internationale Fassung des Films wirkt allerdings lückenhaft und unausgewogen.
Zimna wojna von Paweł Pawlikowski (2018) : Melodramatisches Epochenbild und komplizierte Liebesgeschichte zwischen Anziehung und Abstoßung, Kunst und Politik, Ost und West: ein Pianist und eine Sängerin bald aufgehoben, bald verloren in den Klängen der europäischen Nachkriegszeit. Pawlikowski komponiert aus Volksliedern und Propagandakantaten, aus Jazz und Chansons, aus Filmmusik und Schlagern eine frostig-bewegende (und bestechend fotografierte) Sinfonie der Emotionen.
Suspiria von Luca Guadagnino (2018) : Guadagnino zelebriert den wohl abgedrehtesten Berlin-Horror seit Zulawskis »Possession«: eine Phantasmagorie von Teilung, Terror und Tanz, eine unheimlich deutsche Mischung aus überschnappendem Mutterkult, zuckendem Volkskörper und rituellem Bluterguß, einen frauengepowerten Siebzigerjahrealptraum, der spleenige Diven wie Caven, Soutendijk und Winkler zum orgiastischen Hexensabbat versammelt.
Dezember
Widows von Steve McQueen (2018) : Thematisch-atmosphärisch-irgendwie-auch-sozialkritische Verquickung von Thriller und Melodram, Verbrechen und Politik, Trauer und Wut, Ghetto und Luxus – Spannungseffekte eines Heistmovies bleiben dabei weitgehend auf der Strecke. Zudem müssen McQueens taffe Heldinnen die Rollen ihrer toten Kerle fortspielen, womit nolens volens die Ansicht des von Robert Duvall verkörperten Seniorschurken bestätigt wird, daß am bösen Lauf der Welt eh nicht zu rütteln sei.
Under the Silver Lake von David Robert Mitchell (2018) : »Rub Dean’s head and wait under Newton.« Ein Film wie die Verfolgung eines Kojoten kreuz und quer durch Los Angeles: Mitchells bizarres Pop’n’Paranoia-Pasticcio erkundet, in der Tradition labyrinthischer Verschwörungsphantasien wie Pynchons »The Crying of Lot 49«, Roszaks »Flicker« oder Clowes’ »Like a Velvet Glove Cast in Iron«, Unter- Neben- und Überwelten, deren Geheimnisse, wie die der sogenannten Wirklichkeit, letzten Endes unergründlich bleiben. PS: »Keep quiet.«
Plaire, aimer et courir vite von Christophe Honoré (2018) : »One is the loneliest number that you’ll ever do.« Das Jahr 1993: Sie gefallen sich, sie verlieben sich, sie müssen sich beeilen – Jacques, Ende 30, Schriftsteller aus Paris, und Arthur, um die 20, Student aus Rennes, einer, der (an AIDS) sterben wird, und einer, der das Leben vor sich hat. Honoré, ein Meister des kitschfreien Gefühlskinos, erzählt, fröhlich, traurig, taktvoll, offenherzig, von erster und von letzter Liebe, von Aufbruch und Abschied, von Freude und Schmerz, vom Jetzt, das sich – allen Widrigkeiten zum Trotz – zwischen ein verlorenes Gestern und ein ungewisses Morgen schiebt.
Juli
On Chesil Beach von Dominic Cooke (2017) : Liebe 1962 – Florence und Edward, sie ätherisch-verkrampft, er rustikal-empfindlich, stolpern in die Ehe hinein und nach einer katastrophal verlaufenden Hochzeitsnacht wieder hinaus. Die einigermaßen disparaten (und jeweils auf ihre Art problematischen) Biographien des jungen Paares werden in betulichen Rückblenden beleuchtet, bevor die Erzählung einer tränenzieherischen Pointe entgegenschlingert. Das engagierte Spiel der beiden Hauptdarsteller macht Cookes kieselknirschende Mc-Ewan-Adaption leider auch nicht flott.
Love, Cecil von Lisa Immordino Vreeland (2017) : Eine konventionelle Dokumentation über einen unkonventionellen Mann. Cecil Beaton war Fotograf, Zeichner, Autor, Kostüm- und Bühnenbildner – ein ruheloser Dandy, ein »terrible homosexualist«, ein unverbesserlicher Ästhet, der den Schrecken des 20. Jahrhunderts ein künstliches Paradies der Schönheit entgegenträumte (und -lebte). Vreeland erzählt die Biographie des Mulitalents zwischen Bright Young Things und Swinging London, zwischen Vogue und Blitz, zwischen Buckingham Palace und Hollywood gewissenhaft nach, ohne sich dessen Leitspruch »Be daring, be different, be impractical!« gestalterisch zu Herzen zu nehmen.
August
Thoroughbreds von Cory Finley (2017) : Ein lakonisch-böser, dabei erfreulich formbewußter Thriller über Indolenz und Berechnung, Nutzlosigkeit und Ehrgeiz. Mit seiner klinischen Studie der unheilvollen Beziehung zweier heranwachsender Frauen aus besseren Kreisen gibt Debütant Finley ein Beispiel für verzweifelt-coole Wohlstandsverwahrlosung, das auch gesellschaftskritischen Kapazitäten wie Lang, Chabrol oder Seidl durchaus zur filmischen Ehre gereichen würde.
September
Gundermann von Andreas Dresen (2018) : Wer sind »wir«? Was wollen »sie«? Und wo bleibe »ich«? Dresens Biographie eines singenden Schaufelradbaggerfahrers, eines schaufelradbaggerfahrenden Sängers stellt diese Fragen mit ungetrübtem Blick auf gesellschaftliche Realitäten (in diesem Fall die des real-existierenden Sozialismus) und ohne den Anschein zu erwecken, abschließende Antworten geben zu können. Gundermann: einfühlsamer Dichter und fusselhaariger Sonderling, querulantischer Idealist und larmoyanter Verräter – ein faszinierender Antiheld wie er (nicht nur im roten) Buche steht: »Wir wissen, daß alles was kommt, auch wieder geht. / Warum tut es dann immer wieder und immer mehr weh?«
Asphaltgorillas von Detlev Buck (2018) : Bucks Versuch, neonglänzende Cinéma-du-Look-Synthetik und brutalistisches Referenzkino à la Tarantino zu einem romantisch-burlesken Berliner Gangsta-Buddy-Noir-Märchen zu verschmelzen, scheitert nicht am Abfeiern von Storyklischees, Figurenstereotypen oder Gefühlssimulationen, sondern an grenzdebilen Dialogen, linkischen Drehbuchkonstruktionen und heillos überforderten Darstellern – einzig der grandiose Georg Friedrich läßt etwas von den besseren Möglichkeiten dieses fehlgeschlagenen Vorhabens ahnen.
Kulenkampffs Schuhe von Regina Schilling (2018) : »... und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben.« Nachrede auf einen frühverstorbenen Vater (Jahrgang 1925) im Spiegel der bundesdeutschen Fernsehunterhaltung: Schilling setzt die TV-Legenden Hans-Joachim Kulenkampff, Peter Alexander, Hans Rosenthal ins Verhältnis zu Schuld, Traumatisierung, Sprachlosigkeit unter besonderer Berücksichtigung der eigenen Familiengeschichte in Nationalsozialismus, Nachkrieg, Wirtschaftswunder – persönlich-mediale Erinnerungsarbeit als bewegendes historisches Lehrstück.
The Predator von Shane Black (2018) : Die Frage, ob das titelgebende extraterrestrische Wesen einfach nur seinen Mordspaß sucht (und massenhaft findet), oder ob das Töten in dessen beutegreifenden Natur begründet liegt, bleibt letztlich unbeantwortet. Der stahlharte Profi Black stellt hingegen keinen Zweifelsfall dar: ihm hat die einfältige Action-Metzelei – unter ungebremstem Einsatz von Massakerhumor, Pathosimitat und enthusiastisch stampfender Klingt-fast-wie-aus-den-Eighties-Mucke – erkennbar Vergnügen bereitet.
Searching von Aneesh Chaganty (2018) : Indem er für sein missing-person mystery die Kinoleinwand mit der Oberfläche eines Computermonitors kurzschließt, schützt Chaganty formale Originalität vor, wenngleich er über altbekannte POV-Strategien und Split-screen-Effekte selten hinauskommt. Auch für die (Ver-)Formung unseres Lebens durch digitale Medien interessiert sich der Ex-Google-Laborant nur als Erzählantrieb, wohingegen sein kühler Blick auf (beiderseits) gestörte Eltern-Kind-Verhältnisse einen beklemmenden Thrill auszulösen vermag.
Oktober
The Man Who Killed Don Quixote von Terry Gilliam (2018) : Das Schicksal hat mehrfach und deutlich mit dem Zaunpfahl gewinkt – Gilliam ist unbeirrt gegen die widrigen Umstände geritten, um einen montrösen filmischen Trümmerhaufen aus Spanien-, Russen- und Künstler-Klischees, aus Schmierentheater, Fundusstaub und dramaturgischen Dysfunktionen aufzuschütten: Lost in La Mancha II. Wer will, mag in dieser ungefügen Donquichotterie das surreal-dekonstruktivistische Spiel mit einem Mythos erkennen.
A Star Is Born von Bradley Cooper (2018) : Aufstieg und Fall, Euphorie und Tristesse, Liebe und Tod: »It’s the same story told over and over, forever.« Cooper erzählt die uralte Geschichte vom angezählten Star und vom emporkommenden Talent in seiner ersten Regiearbeit ohne Scheu vor sentimentaler Zuspitzung, mit (auch in visueller Hinsicht) hoher Musikalität und viel Spielraum für Lady Gagas charismatische Präsenz – ein Melodrama im besten Sinne des Wortes.
Todos lo saben von Asghar Farhadi (2018) : Anfangs gleicht der Film einem Werbeclip für Spanienurlaub – Fiestastimmung wie weiland in Villarriba und Villabajo –, doch das Unheil schwebt schon dräuend über den Köpfen: Ein Entführungsfall bringt die unterdrückten Konflikte in einer einstmals bemittelten Sippschaft ans Licht. Leider geht Farhadi nicht wirklich ans familiär Eingemachte, und auch der Grundidee seines rührstückhaften Thrillerplots (Stichwort: Wissen und Nichtwissen) mangelt es ganz erheblich an Plausibilität.
Place publique von Agnès Jaoui (2018) : Seit einem Vierteljahrhundert kultivieren Jaoui und Bacri eine spezifische Form von einfühlsamem Sarkasmus, um Hochgefühle und Weltschmerzen der genießenden Klasse differenziert abzuschildern. Auch die jüngste Zusammenarbeit des (Ex-Ehe-)Paares, eine figurenreiche Studie über Öffentlichkeit und Intimität im allgemeinen Medienzirkus, bietet Kultursoziologie von beneidenswerter Nonchalance.
November
Bohemian Rhapsody von Bryan Singer (2018) : Widersetzlichkeit und Erfolg, Ruhm und Dünkel, Absturz und Reue, Neugeburt und Verklärung – Singer gießt das Leben eines extravaganten Rockstars routiniert in tausendfach bewährte Biopic-Form; hätte er die Tiefen des Dramas abgründiger gestaltet, wären ihm Freddie Mercurys Höhenflüge vielleicht schillernder geraten.
In My Room von Ulrich Köhler (2018) : Ohne erkennbare ironische Brechung schraubt Köhler das große »Letzter-Mann-auf Erden«-Drama zur weitschweifigen Befindlichkeitsstudie (inklusive gelebtem Jungstraum von selbstgebastelter Autarkie) herunter. Sein Protagonist sieht sich nicht mit Zombies oder Aliens konfrontiert sondern mit Pferden, Ziegen, Hunden sowie der letzten Frau auf Erden nebst den dazugehörigen Problemen – wobei es dem Langweiler gelingt, auch in außergewöhnlichen Umständen ein Langweiler zu bleiben.
Loro von Paolo Sorrentino (2018) : Aus der Erkenntnis, daß die von Berlusconi und Konsorten geschaffene Bunga-Bunga-Welt im Grunde unerklärlich ist, zieht Sorrentino die einzig mögliche Konsequenz: er beschränkt sich auf reine Phänomenologie. Die hochgestylte Leere seines Werks entspricht der nihilistischen Vergnügungswut des (von Toni Servillo mit hermetischer Grandezza verkörperten) Cavaliere – die hierzulande gezeigte, um eine knappe Stunde gekürzte, internationale Fassung des Films wirkt allerdings lückenhaft und unausgewogen.
Zimna wojna von Paweł Pawlikowski (2018) : Melodramatisches Epochenbild und komplizierte Liebesgeschichte zwischen Anziehung und Abstoßung, Kunst und Politik, Ost und West: ein Pianist und eine Sängerin bald aufgehoben, bald verloren in den Klängen der europäischen Nachkriegszeit. Pawlikowski komponiert aus Volksliedern und Propagandakantaten, aus Jazz und Chansons, aus Filmmusik und Schlagern eine frostig-bewegende (und bestechend fotografierte) Sinfonie der Emotionen.
Suspiria von Luca Guadagnino (2018) : Guadagnino zelebriert den wohl abgedrehtesten Berlin-Horror seit Zulawskis »Possession«: eine Phantasmagorie von Teilung, Terror und Tanz, eine unheimlich deutsche Mischung aus überschnappendem Mutterkult, zuckendem Volkskörper und rituellem Bluterguß, einen frauengepowerten Siebzigerjahrealptraum, der spleenige Diven wie Caven, Soutendijk und Winkler zum orgiastischen Hexensabbat versammelt.
Dezember
Widows von Steve McQueen (2018) : Thematisch-atmosphärisch-irgendwie-auch-sozialkritische Verquickung von Thriller und Melodram, Verbrechen und Politik, Trauer und Wut, Ghetto und Luxus – Spannungseffekte eines Heistmovies bleiben dabei weitgehend auf der Strecke. Zudem müssen McQueens taffe Heldinnen die Rollen ihrer toten Kerle fortspielen, womit nolens volens die Ansicht des von Robert Duvall verkörperten Seniorschurken bestätigt wird, daß am bösen Lauf der Welt eh nicht zu rütteln sei.
Under the Silver Lake von David Robert Mitchell (2018) : »Rub Dean’s head and wait under Newton.« Ein Film wie die Verfolgung eines Kojoten kreuz und quer durch Los Angeles: Mitchells bizarres Pop’n’Paranoia-Pasticcio erkundet, in der Tradition labyrinthischer Verschwörungsphantasien wie Pynchons »The Crying of Lot 49«, Roszaks »Flicker« oder Clowes’ »Like a Velvet Glove Cast in Iron«, Unter- Neben- und Überwelten, deren Geheimnisse, wie die der sogenannten Wirklichkeit, letzten Endes unergründlich bleiben. PS: »Keep quiet.«
Plaire, aimer et courir vite von Christophe Honoré (2018) : »One is the loneliest number that you’ll ever do.« Das Jahr 1993: Sie gefallen sich, sie verlieben sich, sie müssen sich beeilen – Jacques, Ende 30, Schriftsteller aus Paris, und Arthur, um die 20, Student aus Rennes, einer, der (an AIDS) sterben wird, und einer, der das Leben vor sich hat. Honoré, ein Meister des kitschfreien Gefühlskinos, erzählt, fröhlich, traurig, taktvoll, offenherzig, von erster und von letzter Liebe, von Aufbruch und Abschied, von Freude und Schmerz, vom Jetzt, das sich – allen Widrigkeiten zum Trotz – zwischen ein verlorenes Gestern und ein ungewisses Morgen schiebt.
27. Juni 2018
2018 1/2
Aktuelle Filme im ersten Halbjahr
Januar
Wonder Wheel von Woody Allen (2017) : Allen dreht sich so behäbig um die eigene Achse wie das Riesenrad, das seinem candy-coloured Coney-Island-Drama den Namen gibt. Winslet als frustrierte Kellnerin, die einer verpfuschten Schauspielerkarriere nachtrauert und hinter dem Rücken ihres grobklotzigen Mannes mit einem literarisch ambitionierten Bademeister anbändelt, macht ihre Sache gut, aber das um sie herum arrangierte Stück wirkt wie ein hundemüder Tennessee-Williams-Abklatsch.
L’amant double von François Ozon (2017) : Hitchcock (das Labyrinth der Schuld), De Palma (die Welt als Alptraum), Cronenberg (der Geist und das Fleisch) ruft Ozon auf den Plan, ohne die Meister zu kopieren, sondern um (selbst ein Meister) etwas Originäres aus den Musterbildern zu formen: eine doppelbödige Doppelgänger-Erzählung, eine vielfach gebrochene Lovestory um brüchige Identitäten, einen stilvoll-schaulustigen Psychothriller im Grenzbereich von (fragwürdiger) Realität und (wahnhafter) Imagination.
Februar
Phantom Thread von Paul Thomas Anderson (2017) : Derart plunzige Kostüme muß man sich für einen Film über den angeblich größten Couturier des Vereinigten Königreiches erst einmal zusammenzuschneidern trauen; daß der biederen Stichelei auch noch ein Oscar nachgeworfen wird ... well. Ansonsten pflegt Day-Lewis (hoffentlich wirklich zum letzen Mal) sein outriertes Understatement, und wer (aus welchem Grund auch immer) die Liebe für eine Höllenmacht hält, darf sich von Anderson vollauf bestätigt fühlen.
All the Money in the World von Ridley Scott (2017) : »Es ist keine Kunst, viel Geld zu machen, wenn man keine anderen Wünsche hat, als viel Geld zu machen«, sagt ein Geschäftsmann in Welles’ »Citizen Kane«. So gesehen wäre J. Paul Getty nicht sonderlich interessant, denn außer Geldmachen kümmert ihn wenig. Dennoch ist der Milliardär (zumal in Plummers abgründiger Darstellung) eine faszinierende Figur, zeigt sein Beispiel doch anschaulich, daß nicht der Mensch das Geld macht, sondern das Geld den Menschen – je mehr, desto extremer.
The Post von Steven Spielberg (2017) : Ein Film über bedrucktes Papier in der Tradition von Pakulas »All the President's Men«, wenn auch nicht ganz auf der Höhe des unverkennbaren Vorbilds. Spielberg müht sich (und diese Mühe ist ihm zu danken), etwas vom Geist einer Zeit zu vermitteln, in der content noch mit Blei auf ein (an)greifbares Trägermedium gehämmert wurde, in der news nicht ausschließlich formbare Ware, sondern gelegentlich auch revolutionäre Wahrheit waren.
The Shape of Water von Guillermo del Toro (2017) : Eine Stumme und ein Schwuler, eine Schwarze und ein Kommunist retten (im Jahr 1963) ein (bei Jack Arnold geborgtes) Amphibienwesen vor dem sadistischen Zugriff eines weißen, heterosexuellen Chauvinisten (dem, wohl als Symbol seiner wesenhaften Verderbtheit, zwei Finger übelriechend abfaulen). Del Toro zeigt die Randständigen als edle Ritter, als (findige) Vertreter von Gesittung und Nächstenliebe, den Mann des (überkommenen) Systems als das eigentliche (und bezwingbare) Monster – ein hübsch-harmloses Märchen aus der Zeit unter Trump.
März
Red Sparrow von Francis Lawrence (2018) : Irgendein kompetenter Dutzendprofi, der Hollywood zu Zeiten des ersten Kalten Krieges mit solider Durchschnittsware belieferte (ein Karlson, ein Robson, ein Dmytryk), hätte einen halbwegs gelungenen Ost-West-Schablonenquatsch wie »Red Sparrow« mit ein paar kantigen B-Chargen in 75 Minuten fürs double feature im Autokino abgehandelt. Im zweiten Kalten Krieg verbrät ein Lawrence zu diesem Zweck eine Kompanie von großen Namen und zweieinhalb Stunden in Panavision.
Call Me by Your Name von Luca Guadagnino (2017) : Ein Pfirsich ist ein Pfirsich ist ein Pfirsich. Meistens jedenfalls. Gelegentlich sieht sich die saftige Steinfrucht auch zur pornösen Metapher bestellt: Auf dem (wenn man so will) Höhepunkt der ästhetizistisch überlangen, in märchenhafter intello-bukolischer Kulisse angesiedelten, alles explizit Schwule bedachtsam umschiffenden Heißer-Sommer-Erste-Liebe-Geschichte um Elio/Oliver und Oliver/Elio greift Guadagnino zum drastischen Bild einer Obstvergewaltigung – bittersüße éducation sentimentale meets tropfende Natursymbolik.
April
A Quiet Place von John Krasinski (2017) : Prämisse: Das Überleben hängt davon ab, keinerlei Lärm zu verursachen. Konsequente Verhaltensweisen der Filmmischpoke: Man bewohnt ein Haus mit Dielenböden (»knirsch«), man läßt jede Menge Krimskrams herumliegen, der zu Boden fallen könnte (»knall«), Mom und Dad produzieren weiteren Nachwuchs (»kreisch«). Eine-Million-Dollar-Frage: Welches ist der wunde Punkt böser Aliens, die lediglich über ein einziges Sinnesorgan verfügen? PS: Nächstes Mal doch lieber wieder »Mars Attacks!« (More noise, less family values.)
Transit von Christian Petzold (2018) : Eine Welt in Aufruhr, Menschen auf der Flucht, eine Stadt am Meer, die Hoffnung zu entkommen, bis auf weiteres aber: warten, warten, warten. Petzold koppelte seine minimalistischen Studien der (zutiefst gespensterhaften) conditio humana oftmals an Klassiker des Genrekinos, von »The Postman Always Rings Twice« bis »Carnival of Souls«; seine Adaption des Seghers-Romans – die unzeitige Liebe, die Jagd nach rettenden Papieren, die Entscheidung zwischen Eigennutz und Verantwortung – läßt an »Casablanca« denken. Der Kunstgriff, den historischen Stoff nicht einfach ins Hier und Jetzt zu verschieben, sondern die Erzählung aus dem Zweiten Weltkrieg in einem aktuellen Setting zu vergegenwärtigen, schafft gleichermaßen emotionale Distanzierung und bedrohliche Brisanz, erlaubt sowohl Einfühlung wie die Erkenntnis: gestern ist heute ist immer.
Lady Bird von Greta Gerwig (2017) : Wie in allen Genres ist im Coming-of-Age-Film weniger das Was (die Handlung) als das Wie (die Haltung) entscheidend. Auch in »Lady Bird« geht es um die Reibungsenergie, die vom körperlichen und psychosozialen – nun ja – Reifungsprozeß Heranwachsender freigesetzt wird; daß Gerwig dabei nicht nur ihre um Orientierung ringende Titelheldin, sondern auch deren (bisweilen stark gebeuteltes) familiäres und schulisches Umfeld mit (liebevoller) Klarsicht und (ironischer) Sensibilität betrachtet (sowie nebenbei noch das facettenreiche Porträt einer vermeintlich langweiligen Provinzstadt zeichnet), machen Charme und Klugheit ihres unprätentiösen Werkes aus – von den außerordentlichen schauspielerischen Leistungen der Hauptdarstellerinnen Ronan und Metcalf, die sich als Tochter und Mutter McPherson weiß Gott nichts schenken, mal ganz abgesehen.
You Were Never Really Here von Lynne Ramsay (2017) : Auftragsmord als Traumatherapie: Joe (Phoenix) ist im amerikanischen Kindersexdschungel unterwegs, um gegen Geld verschwundene Mädchen wiederzubeschaffen. Sein Arbeitsgerät ist der Hammer, sein Antrieb sind fragmentarische Erinnerungen an schreckliche Erlebnisse in früher Jugend und Krieg. In deutlicher Anlehnung an Vorbilder wie »Taxi Driver« und »Léon«, mit spürbarer visueller Ambition sowie großem (bisweilen enervierenden) musikalischen Aufheben, mengt Ramsay stilisiertes Thrillermärchen und tiefschwarzes Zeitbild (und viel Blut), ohne daraus ein zwingendes Ganzes zu fügen.
Mai
Herrliche Zeiten von Oskar Roehler (2018) : Beleuchtet Roehlers grelle Gesellschaftsfarce zunächst (nicht ohne spätrömisch-dekadenten Witz) die Dialektik von Herrschen und Dienen im real existierenden Kapitalismus, wandelt sich das Stück im letzten Drittel zu einer blutigen (und einigermaßen platten) Racheburleske, die nahelegt, daß hinter den gepflegten Fassaden deutscher Villenvororte dieselben rohen Kräfte walten wie in den Folterkellern diktatorischer Potentaten. In diesem Sinne: »Auf uns!«
Isle of Dogs von Wes Anderson (2018) : Ein Hohelied auf Freundschaft und Freiheit oder »Lassie« meets »Papillon«: Anderson erzählt zum einen – in der vertrauten Mischung aus Ultralakonie und Detailfetischismus – die Geschichte des 12jährigen Atari, der seinen im Zuge einer allgemeinen Hundedeportation auf eine Müllinsel verfrachteten Vierbeiner Spots sucht (wobei ihm »a pack of scary indestructible alpha dogs« hilfreich zur Seite steht), zum anderen beschreibt seine dystopisch-japonistische Stop-Motion-Animation (sehr spielerisch und nicht ohne Hoffnung auf Besserung) die Aushöhlung demokratischer Gesellschaften durch populistischen Extremismus: »Somebody is up to something.«
In den Gängen von Thomas Stuber (2018) : Christian, der »Frischling« in der Belegschaft des Großmarktes, Bruno, der den jungen Kollegen unter seine Fittiche nimmt, und Marion, die der Neue mit scheuer Zuneigung bedenkt, verständigen (und verstehen) sich weniger durch Worte als vielmehr durch Blicke, Gesten, Mienenspiel, durch gemeinsames Arbeiten, Rauchen, Schweigen. Stuber inszeniert Rogowski, Kurth und Hüller als (stille) Helden einer einfühlsamen Sozial- und Seelendramödie zwischen insistierender Beobachtung im Stil der Berliner Schule, choreographischer Komik à la Jacques Tati und spröder Alltagspoesie, die das Meeresrauschen im Summen der Gabelstapler hörbar macht.
Juni
Tully von Jason Reitman (2018) : Drei fordernde Kinder, ein Mann, der sich aus allem heraushält, kein Moment der Ruhe, kein Raum für sich selbst – Marlo ist eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs (oder darüber hinaus). Ohne Rücksicht auf ästhetische Verluste spielt Theron den Präzedenzfall einer zwischen Erwartungen und Ansprüchen aufgeriebenen Mutter, die sich in Gestalt der jungen, achtsamen, leidenschaftlichen night nanny Tully mit den Idealen der eigenen Sturm-und-Drang-Zeit konfrontiert sieht. Reitmans tragikomische Anti-Idylle zeigt (nicht ohne das Bedienen von Klischees) den ganz alltäglichem Wahnsinn und einen irren Traum vom Glück, dessen Realisierung bestenfalls eine vorübergehende sein kann.
3 Tage in Quiberon von Emily Atef (2018) : Die Konstellation – Reporter und Fotograf einer Millionen-Illustrierten treffen eine berühmte Schauspielerin mit Borderline-Störung zum Interview – hätte durchaus die Grundlage für eine facettenreiche Studie über das Zeitalter der Medien und der Prominenz abgeben können. Atef beschränkt sich darauf, einen sensationslüsternen Kotzbrocken, einen bärigen Voyeur und eine kapriziös-schmerzensreiche Diva (sowie deren dramaturgisch gänzlich überflüssige Sandkastenfreundin) beim schier endlosen Seelenstriptease (mit jeder Menge Alk und K(l)ippen) vorzuführen.
Ocean’s 8 von Gary Ross (2018) : Du sollst nicht stehlen, mahnt das siebente Gebot, doch schon Marilyn Monroe wußte: »Diamonds are a girl’s best friend.« In diesem Sinne macht sich eine Clique von (mehr oder weniger hochhackigen) Spezialistinnen daran, Juwelen im Wert von einigen hundert Millionen Dollar abzugreifen. Ross poliert Soderberghs Heist-Klassiker (der selbst ein hochgetuntes Update war) mit einem weiblichen All-Star-Cast modisch auf, ohne dem Genre neue Facetten abzugewinnen – aber zu sehen, wie clevere Menschen erfolgreich das Institut des Eigentums untergraben, bereitet immer wieder ein gewisses Vergnügen.
Januar
Wonder Wheel von Woody Allen (2017) : Allen dreht sich so behäbig um die eigene Achse wie das Riesenrad, das seinem candy-coloured Coney-Island-Drama den Namen gibt. Winslet als frustrierte Kellnerin, die einer verpfuschten Schauspielerkarriere nachtrauert und hinter dem Rücken ihres grobklotzigen Mannes mit einem literarisch ambitionierten Bademeister anbändelt, macht ihre Sache gut, aber das um sie herum arrangierte Stück wirkt wie ein hundemüder Tennessee-Williams-Abklatsch.
L’amant double von François Ozon (2017) : Hitchcock (das Labyrinth der Schuld), De Palma (die Welt als Alptraum), Cronenberg (der Geist und das Fleisch) ruft Ozon auf den Plan, ohne die Meister zu kopieren, sondern um (selbst ein Meister) etwas Originäres aus den Musterbildern zu formen: eine doppelbödige Doppelgänger-Erzählung, eine vielfach gebrochene Lovestory um brüchige Identitäten, einen stilvoll-schaulustigen Psychothriller im Grenzbereich von (fragwürdiger) Realität und (wahnhafter) Imagination.
Februar
Phantom Thread von Paul Thomas Anderson (2017) : Derart plunzige Kostüme muß man sich für einen Film über den angeblich größten Couturier des Vereinigten Königreiches erst einmal zusammenzuschneidern trauen; daß der biederen Stichelei auch noch ein Oscar nachgeworfen wird ... well. Ansonsten pflegt Day-Lewis (hoffentlich wirklich zum letzen Mal) sein outriertes Understatement, und wer (aus welchem Grund auch immer) die Liebe für eine Höllenmacht hält, darf sich von Anderson vollauf bestätigt fühlen.
All the Money in the World von Ridley Scott (2017) : »Es ist keine Kunst, viel Geld zu machen, wenn man keine anderen Wünsche hat, als viel Geld zu machen«, sagt ein Geschäftsmann in Welles’ »Citizen Kane«. So gesehen wäre J. Paul Getty nicht sonderlich interessant, denn außer Geldmachen kümmert ihn wenig. Dennoch ist der Milliardär (zumal in Plummers abgründiger Darstellung) eine faszinierende Figur, zeigt sein Beispiel doch anschaulich, daß nicht der Mensch das Geld macht, sondern das Geld den Menschen – je mehr, desto extremer.
The Post von Steven Spielberg (2017) : Ein Film über bedrucktes Papier in der Tradition von Pakulas »All the President's Men«, wenn auch nicht ganz auf der Höhe des unverkennbaren Vorbilds. Spielberg müht sich (und diese Mühe ist ihm zu danken), etwas vom Geist einer Zeit zu vermitteln, in der content noch mit Blei auf ein (an)greifbares Trägermedium gehämmert wurde, in der news nicht ausschließlich formbare Ware, sondern gelegentlich auch revolutionäre Wahrheit waren.
The Shape of Water von Guillermo del Toro (2017) : Eine Stumme und ein Schwuler, eine Schwarze und ein Kommunist retten (im Jahr 1963) ein (bei Jack Arnold geborgtes) Amphibienwesen vor dem sadistischen Zugriff eines weißen, heterosexuellen Chauvinisten (dem, wohl als Symbol seiner wesenhaften Verderbtheit, zwei Finger übelriechend abfaulen). Del Toro zeigt die Randständigen als edle Ritter, als (findige) Vertreter von Gesittung und Nächstenliebe, den Mann des (überkommenen) Systems als das eigentliche (und bezwingbare) Monster – ein hübsch-harmloses Märchen aus der Zeit unter Trump.
März
Red Sparrow von Francis Lawrence (2018) : Irgendein kompetenter Dutzendprofi, der Hollywood zu Zeiten des ersten Kalten Krieges mit solider Durchschnittsware belieferte (ein Karlson, ein Robson, ein Dmytryk), hätte einen halbwegs gelungenen Ost-West-Schablonenquatsch wie »Red Sparrow« mit ein paar kantigen B-Chargen in 75 Minuten fürs double feature im Autokino abgehandelt. Im zweiten Kalten Krieg verbrät ein Lawrence zu diesem Zweck eine Kompanie von großen Namen und zweieinhalb Stunden in Panavision.
Call Me by Your Name von Luca Guadagnino (2017) : Ein Pfirsich ist ein Pfirsich ist ein Pfirsich. Meistens jedenfalls. Gelegentlich sieht sich die saftige Steinfrucht auch zur pornösen Metapher bestellt: Auf dem (wenn man so will) Höhepunkt der ästhetizistisch überlangen, in märchenhafter intello-bukolischer Kulisse angesiedelten, alles explizit Schwule bedachtsam umschiffenden Heißer-Sommer-Erste-Liebe-Geschichte um Elio/Oliver und Oliver/Elio greift Guadagnino zum drastischen Bild einer Obstvergewaltigung – bittersüße éducation sentimentale meets tropfende Natursymbolik.
April
A Quiet Place von John Krasinski (2017) : Prämisse: Das Überleben hängt davon ab, keinerlei Lärm zu verursachen. Konsequente Verhaltensweisen der Filmmischpoke: Man bewohnt ein Haus mit Dielenböden (»knirsch«), man läßt jede Menge Krimskrams herumliegen, der zu Boden fallen könnte (»knall«), Mom und Dad produzieren weiteren Nachwuchs (»kreisch«). Eine-Million-Dollar-Frage: Welches ist der wunde Punkt böser Aliens, die lediglich über ein einziges Sinnesorgan verfügen? PS: Nächstes Mal doch lieber wieder »Mars Attacks!« (More noise, less family values.)
Transit von Christian Petzold (2018) : Eine Welt in Aufruhr, Menschen auf der Flucht, eine Stadt am Meer, die Hoffnung zu entkommen, bis auf weiteres aber: warten, warten, warten. Petzold koppelte seine minimalistischen Studien der (zutiefst gespensterhaften) conditio humana oftmals an Klassiker des Genrekinos, von »The Postman Always Rings Twice« bis »Carnival of Souls«; seine Adaption des Seghers-Romans – die unzeitige Liebe, die Jagd nach rettenden Papieren, die Entscheidung zwischen Eigennutz und Verantwortung – läßt an »Casablanca« denken. Der Kunstgriff, den historischen Stoff nicht einfach ins Hier und Jetzt zu verschieben, sondern die Erzählung aus dem Zweiten Weltkrieg in einem aktuellen Setting zu vergegenwärtigen, schafft gleichermaßen emotionale Distanzierung und bedrohliche Brisanz, erlaubt sowohl Einfühlung wie die Erkenntnis: gestern ist heute ist immer.
Lady Bird von Greta Gerwig (2017) : Wie in allen Genres ist im Coming-of-Age-Film weniger das Was (die Handlung) als das Wie (die Haltung) entscheidend. Auch in »Lady Bird« geht es um die Reibungsenergie, die vom körperlichen und psychosozialen – nun ja – Reifungsprozeß Heranwachsender freigesetzt wird; daß Gerwig dabei nicht nur ihre um Orientierung ringende Titelheldin, sondern auch deren (bisweilen stark gebeuteltes) familiäres und schulisches Umfeld mit (liebevoller) Klarsicht und (ironischer) Sensibilität betrachtet (sowie nebenbei noch das facettenreiche Porträt einer vermeintlich langweiligen Provinzstadt zeichnet), machen Charme und Klugheit ihres unprätentiösen Werkes aus – von den außerordentlichen schauspielerischen Leistungen der Hauptdarstellerinnen Ronan und Metcalf, die sich als Tochter und Mutter McPherson weiß Gott nichts schenken, mal ganz abgesehen.
You Were Never Really Here von Lynne Ramsay (2017) : Auftragsmord als Traumatherapie: Joe (Phoenix) ist im amerikanischen Kindersexdschungel unterwegs, um gegen Geld verschwundene Mädchen wiederzubeschaffen. Sein Arbeitsgerät ist der Hammer, sein Antrieb sind fragmentarische Erinnerungen an schreckliche Erlebnisse in früher Jugend und Krieg. In deutlicher Anlehnung an Vorbilder wie »Taxi Driver« und »Léon«, mit spürbarer visueller Ambition sowie großem (bisweilen enervierenden) musikalischen Aufheben, mengt Ramsay stilisiertes Thrillermärchen und tiefschwarzes Zeitbild (und viel Blut), ohne daraus ein zwingendes Ganzes zu fügen.
Mai
Herrliche Zeiten von Oskar Roehler (2018) : Beleuchtet Roehlers grelle Gesellschaftsfarce zunächst (nicht ohne spätrömisch-dekadenten Witz) die Dialektik von Herrschen und Dienen im real existierenden Kapitalismus, wandelt sich das Stück im letzten Drittel zu einer blutigen (und einigermaßen platten) Racheburleske, die nahelegt, daß hinter den gepflegten Fassaden deutscher Villenvororte dieselben rohen Kräfte walten wie in den Folterkellern diktatorischer Potentaten. In diesem Sinne: »Auf uns!«
Isle of Dogs von Wes Anderson (2018) : Ein Hohelied auf Freundschaft und Freiheit oder »Lassie« meets »Papillon«: Anderson erzählt zum einen – in der vertrauten Mischung aus Ultralakonie und Detailfetischismus – die Geschichte des 12jährigen Atari, der seinen im Zuge einer allgemeinen Hundedeportation auf eine Müllinsel verfrachteten Vierbeiner Spots sucht (wobei ihm »a pack of scary indestructible alpha dogs« hilfreich zur Seite steht), zum anderen beschreibt seine dystopisch-japonistische Stop-Motion-Animation (sehr spielerisch und nicht ohne Hoffnung auf Besserung) die Aushöhlung demokratischer Gesellschaften durch populistischen Extremismus: »Somebody is up to something.«
In den Gängen von Thomas Stuber (2018) : Christian, der »Frischling« in der Belegschaft des Großmarktes, Bruno, der den jungen Kollegen unter seine Fittiche nimmt, und Marion, die der Neue mit scheuer Zuneigung bedenkt, verständigen (und verstehen) sich weniger durch Worte als vielmehr durch Blicke, Gesten, Mienenspiel, durch gemeinsames Arbeiten, Rauchen, Schweigen. Stuber inszeniert Rogowski, Kurth und Hüller als (stille) Helden einer einfühlsamen Sozial- und Seelendramödie zwischen insistierender Beobachtung im Stil der Berliner Schule, choreographischer Komik à la Jacques Tati und spröder Alltagspoesie, die das Meeresrauschen im Summen der Gabelstapler hörbar macht.
Juni
Tully von Jason Reitman (2018) : Drei fordernde Kinder, ein Mann, der sich aus allem heraushält, kein Moment der Ruhe, kein Raum für sich selbst – Marlo ist eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs (oder darüber hinaus). Ohne Rücksicht auf ästhetische Verluste spielt Theron den Präzedenzfall einer zwischen Erwartungen und Ansprüchen aufgeriebenen Mutter, die sich in Gestalt der jungen, achtsamen, leidenschaftlichen night nanny Tully mit den Idealen der eigenen Sturm-und-Drang-Zeit konfrontiert sieht. Reitmans tragikomische Anti-Idylle zeigt (nicht ohne das Bedienen von Klischees) den ganz alltäglichem Wahnsinn und einen irren Traum vom Glück, dessen Realisierung bestenfalls eine vorübergehende sein kann.
3 Tage in Quiberon von Emily Atef (2018) : Die Konstellation – Reporter und Fotograf einer Millionen-Illustrierten treffen eine berühmte Schauspielerin mit Borderline-Störung zum Interview – hätte durchaus die Grundlage für eine facettenreiche Studie über das Zeitalter der Medien und der Prominenz abgeben können. Atef beschränkt sich darauf, einen sensationslüsternen Kotzbrocken, einen bärigen Voyeur und eine kapriziös-schmerzensreiche Diva (sowie deren dramaturgisch gänzlich überflüssige Sandkastenfreundin) beim schier endlosen Seelenstriptease (mit jeder Menge Alk und K(l)ippen) vorzuführen.
Ocean’s 8 von Gary Ross (2018) : Du sollst nicht stehlen, mahnt das siebente Gebot, doch schon Marilyn Monroe wußte: »Diamonds are a girl’s best friend.« In diesem Sinne macht sich eine Clique von (mehr oder weniger hochhackigen) Spezialistinnen daran, Juwelen im Wert von einigen hundert Millionen Dollar abzugreifen. Ross poliert Soderberghs Heist-Klassiker (der selbst ein hochgetuntes Update war) mit einem weiblichen All-Star-Cast modisch auf, ohne dem Genre neue Facetten abzugewinnen – aber zu sehen, wie clevere Menschen erfolgreich das Institut des Eigentums untergraben, bereitet immer wieder ein gewisses Vergnügen.
2. Januar 2018
Siebzehn
2017: 10 gute Filme
Gefangenschaft: »Agassi« (Park Chan-wook)
Zuhause: »Elle« (Paul Verhoeven)
Achterbahn: »Wilde Maus« (Josef Hader)
Hauptbahnhof: »Der traumhafte Weg« (Angela Schanelec)
Schlachtfeld: »Wonder Woman« (Patty Jenkins)
Blitz: »Their Finest« (Lone Scherfig)
Tresor: »Logan Lucky« (Steven Soderbergh)
Baugrube: »Happy End« (Michael Haneke)
Hotel: »Detroit« (Kathryn Bigelow)
Jenseits: »Coco« (Lee Unkrich)
Und: 7 erstmals gesehene gute Filme von früher
Vergangenheit: »The Go-Between« (Joseph Losey, 1971)
Syndikat: »Les tontons flingueurs« (Georges Lautner, 1963)
Friedhof: »Bring Me the Head of Alfredo Garcia« (Sam Peckinpah, 1974)
Banlieue: »Série noire« (Alan Corneau, 1979)
Straßenbahn: »De komst van Joachim Stiller« (Harry Kümel, 1976)
Provinz: »Mademoiselle« (Tony Richardson, 1966)
Drift: »Gun Crazy« (Joseph H. Lewis, 1950)
Gefangenschaft: »Agassi« (Park Chan-wook)
Zuhause: »Elle« (Paul Verhoeven)
Achterbahn: »Wilde Maus« (Josef Hader)
Hauptbahnhof: »Der traumhafte Weg« (Angela Schanelec)
Schlachtfeld: »Wonder Woman« (Patty Jenkins)
Blitz: »Their Finest« (Lone Scherfig)
Tresor: »Logan Lucky« (Steven Soderbergh)
Baugrube: »Happy End« (Michael Haneke)
Hotel: »Detroit« (Kathryn Bigelow)
Jenseits: »Coco« (Lee Unkrich)
Und: 7 erstmals gesehene gute Filme von früher
Vergangenheit: »The Go-Between« (Joseph Losey, 1971)
Syndikat: »Les tontons flingueurs« (Georges Lautner, 1963)
Friedhof: »Bring Me the Head of Alfredo Garcia« (Sam Peckinpah, 1974)
Banlieue: »Série noire« (Alan Corneau, 1979)
Straßenbahn: »De komst van Joachim Stiller« (Harry Kümel, 1976)
Provinz: »Mademoiselle« (Tony Richardson, 1966)
Drift: »Gun Crazy« (Joseph H. Lewis, 1950)
4. Januar 2017
Sechzehn
2016: 10 gute Filme
Girl meets mop: »Joy« (David O. Russell)
Boys meet money: »The Big Short« (Adam McKay)
Girl meets plumber: »Brooklyn« (John Crowley)
Director meets movies: »Verfluchte Liebe deutscher Film« (Dominik Graf)
Bunny meets fox: »Zootopia« (Byron Howard & Rich Moore)
Child meets world: »Room« (Lenny Abrahamson)
Boy meets himself: »Remainder« (Omer Fast)
Boy meets boy »Nice Guys« (Shane Black)
Boy meets words: »Paterson« (Jim Jarmusch)
Ladies meet gentlemen: »Love & Friendship« (Whit Stillman)
Und: 6 erstmals gesehene gute Filme von früher
Boy meets past: »La lune dans le caniveau« (Jean-Jacques Beineix, 1983)
Blacketeer meets fate: »Schwarzer Kies« (Helmut Käutner, 1961)
Heaven meets earth: »Supergirl« (Rudolf Thome, 1971)
Crook meets wiseguys: »Charley Varrick« (Don Siegel, 1973)
Phantom meets shadows: »Nuits rouges« (Georges Franju, 1974)
Filmmaker meets bust: »Der Stand der Dinge« (Wim Wenders, 1982)
Girl meets mop: »Joy« (David O. Russell)
Boys meet money: »The Big Short« (Adam McKay)
Girl meets plumber: »Brooklyn« (John Crowley)
Director meets movies: »Verfluchte Liebe deutscher Film« (Dominik Graf)
Bunny meets fox: »Zootopia« (Byron Howard & Rich Moore)
Child meets world: »Room« (Lenny Abrahamson)
Boy meets himself: »Remainder« (Omer Fast)
Boy meets boy »Nice Guys« (Shane Black)
Boy meets words: »Paterson« (Jim Jarmusch)
Ladies meet gentlemen: »Love & Friendship« (Whit Stillman)
Und: 6 erstmals gesehene gute Filme von früher
Boy meets past: »La lune dans le caniveau« (Jean-Jacques Beineix, 1983)
Blacketeer meets fate: »Schwarzer Kies« (Helmut Käutner, 1961)
Heaven meets earth: »Supergirl« (Rudolf Thome, 1971)
Crook meets wiseguys: »Charley Varrick« (Don Siegel, 1973)
Phantom meets shadows: »Nuits rouges« (Georges Franju, 1974)
Filmmaker meets bust: »Der Stand der Dinge« (Wim Wenders, 1982)
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